In unserem KBB.Blog beleuchten wir aktuelle Entwicklungen, rechtliche Neuigkeiten und praxisrelevante Fragestellungen aus dem Arbeitsrecht.
Wir analysieren Entscheidungen der Arbeitsgerichte und ordnen neue gesetzliche Entwicklungen verständlich und zugleich juristisch fundiert ein, damit Sie in sämtlichen arbeitsrechtlichen und HR-relevanten Themen auf dem neuesten Stand bleiben und rechtliche Risiken frühzeitig erkennen sowie fundierte Entscheidungen treffen können.
KBB.Blog - Arbeitsrecht
Verschiebung des Umsetzungsgesetzes zur EU-Entgelttransparenzrichtlinie: Warum Abwarten für Arbeitgeber gefährlich ist
Die Bundesregierung lässt die dreijährige Umsetzungsfrist für die EU-Entgelttransparenzrichtlinie mit Ablauf des 08.06.2026 verstreichen. Mit Verweis auf die wirtschaftliche Lage und den Wunsch nach Bürokratieabbau plant sie ein nationales Umsetzungsgesetz nun erst für das Jahr 2027. Was nach Abwarten-können klingt, birgt ab sofort ein enormes Haftungsrisiko für Arbeitgeber.
BAG – Unwirksamer Dienstwagen-Überlassungsvertrag wegen Überschreitung des pfändbaren Arbeitsentgelts
Eine Vereinbarung über die private Nutzungsmöglichkeit eines Dienstwagens ist nach § 134 BGB in den Monaten nichtig, in denen der Wert des Sachbezugs entgegen § 107 Abs. 2 Satz 5 GewO die Höhe des pfändbaren Teils des Arbeitsentgelts übersteigt. Dies hat zur Folge, dass der Arbeitnehmer eine Geldzahlung in Höhe des Sachbezugswerts - ein Prozent des Listenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung - beanspruchen kann.
BAG – Keine Betriebsratsfähigkeit von „Remote-Cities“ ohne lokale Leitungsmacht
Eine räumlich abgegrenzte Einheit innerhalb eines digital gesteuerten Lieferdienstes (sog. „Remote-City“) ist kein Betriebsteil im Sinne des § 4 Abs. 1 BetrVG, wenn es ihr an einer eigenen organisatorischen Leitung oder einem Mindestmaß an organisatorischer Selbstständigkeit fehlt. Die bloße Steuerung über eine App genügt hierfür nicht.
Pauschale Freistellungsklauseln im Arbeitsvertrag unwirksam
Eine formularmäßige arbeitsvertragliche Klausel, die den Arbeitgeber berechtigt, den Arbeitnehmer bei oder nach Ausspruch einer Kündigung ohne weitere Voraussetzungen unter Fortzahlung der Vergütung freizustellen, benachteiligt den Arbeitnehmer unangemessen und ist gemäß § 307 Abs. 1 BGB unwirksam.
BAG kippt Einwurf-Einschreiben als sicheren Zugangsnachweis
Das Einwurf-Einschreiben begründet keinen verlässlichen Anscheinsbeweis mehr für den Zugang einer Willenserklärung. Der Zugang wichtiger Schreiben (insbesondere Kündigungen) ist damit nicht mehr allein über Versand- und Trackingbelege beweisbar, sondern erfordert eine darüberhinausgehende, individualisierte Zustell- oder Dokumentationssicherheit.
Fehlerhafte Massenentlassungsanzeige vor Abschluss des Konsultationsverfahrens
Erstattet der Arbeitgeber eine erforderliche Massenentlassungsanzeige vor Abschluss des Konsultationsverfahrens mit dem Betriebsrat, ist die daraufhin ausgesprochene Kündigung unwirksam. Dies folgt aus einer unionsrechtskonformen Auslegung des § 18 Abs. 1 KSchG i. V. m. Art. 4 der Richtlinie 98/59/EG.
Urlaub am Stück bleibt Regelfall – LAG Thüringen gegen pauschale „Zwei-Wochen-Grenzen“
Das LAG Thüringen hat sich mit einer in vielen Unternehmen verbreiteten Praxis beschäftigt: der generellen Begrenzung zusammenhängender Urlaubszeiten auf maximal zwei Wochen. Die Entscheidung zeigt deutlich, dass solche pauschalen Vorgaben arbeitsrechtlich problematisch sein können.
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